1. uruk-hais

    Dieser Artikel ist eine kleine Verbeugung vor dem großartigsten Team dieser Weltmeisterschaften: die Urus. Nicht zu verwechseln mit den Uruk-hai (aus dem Schlamm der Erde geboren, von Sadoman erschaffen, mächtige Orks), aber dann doch auch nicht so sehr viel anders. Wenn Tarantino mal einen Fussballfilm drehen sollte, pflege ich zu sagen, dann wird der über Uruguay sein .

    Den Ruf, die brutalste Mannschaft der Welt zu sein, hat sich das Dreimillionenbergvolk lang und hart erarbeitet, und das in einer Zeit als man nach Blutgrätsche mit gestrecktem Bein noch gut und gerne “Ball gespielt” sagen durfte, wenn’s denn so war. Wir erinnen uns an Horacio Troche, der Uwe Seeler eine Ohrfeigen verpasste und zuvor einem anderen Spieler einen rechten Haken in die Leberegion versetzt hat. Wir erinnen uns an die schnellste rote Karte, der WM Geschichte nach 50 Sekunden, was die Urus nicht daran hinderte noch Unentschieden zu spielen. Beinhart. Knüppelhart. Uruguay. Vor Spielen gegen Uruguay wurde offen diskutiert, ob man wichtige Spieler zum Schutze ihrer Gesundheit lieber nicht aufstellen solle.

    Auch diesmal in Südafrika gab’s nen Einstand mit nem Platzverweis. Lodeiro sieht bereits 4 Minuten nach Betreten des Feldes gelb und kurz danach die Ampelkarte. Der Gegner aus Frankreich war bekanntlich keine Mannschaft im eigentlichen Sinne und konnte mit der Überzahl nichts anfangen. Aber es waren dieses Jahr nicht nur rohe, rabiate Halbstarke, die für die Blauweißen Fahnen mit der aztekisch anmutenden Sonne zu Felde zogen, sondern auch Fussballästheten: Forlan und Suarez. Erster hätte – um nochmal auf den Filmvergleich zurückzukommen – das Zeug, die Rolle eines Hectors oder Archilles einzunehmen. Und Tore schießen können sie, sowohl filigran als auch brachial.

    Sieg gegen Mexiko und ihre schnellste Maus, Dos Santos, Sieg gegen Banana Banana. Sieg gegen die koreanischen Duracel-Häschen. Zack, schon steht Uruguay mit zwei Sternen auf der Brust (jaja, 1930 & 1950) im Viertelfinale. Und das sollte eine epische Schlacht werden.  Ghana, der letzte Vertreter des schwarzen Kontinents hatte alle Sympathien auf seiner Seite und in jeder Kommentatorenkabine fiel in regelmäßigeb Abständen der Satz von der historischen Chance … Ghana ging sogar in Führung und wurde dann eiskalt erwischt. In der letzte Minute der Verlängerung schießen die Ghanaer noch drei mal aus 5 bis 7 Meter drauf und es ist als wäre da eine unsichtbare Wand oder eine höhere Macht, die nicht will, dass die Urus rausfliegen. Wobei, beim dritten Schuss, war die Wand dann doch nicht so unsichtbar, sondern bestand für alle gut erkennbar aus Suarez Hand (für Fussballneulinge: Suarez ist nicht der Torwart). Gehalten auf der Linie. Sich geopfert für das Land, für den Sieg. Mit Rot vom Platz. Elfmeter. Und wie es der Regisseur des Dramas will, verschießt irgendein unglückseliger Afrikaner den Elfmeter. Aufrecht und mit dem Willen, die Schmach von sich abzuwenden, probiert es es dann im echten Elfmeterschießen nochmal, diesmal besser gezielt, Tor. Dafür waren andere Ghanaer nicht so treffsicher. Den letzten Elfmeter lupft Abreu in Tor und Worte wie “abgezockt” und “arrogant” vermögen nicht auszudrücken, mit welcher Kaltschneuzigkeit er einen ganzen Kontinent für mindestens vier weitere Jahre ins Fussballerische Nichts schießt. Das beeindruckenste Spiel der WM. Uruguay im Halbfinale.

    Weitere unvergeßliche Momente sind mit Sicherheit dieser Fallrückzieher, der eher aussah wie er Tritt bei Mortal Kombat und mit Ankündigung seinen Weg ins holländische Gesicht fand. Dafür gab’s kein Rot. Der Faustkampf im Tor, darum wer den Ball zum Anstoßpunkt bringen darf. Die Aufholjagd gegen die Holländer. Anschlusstor in der Nachspielzeit und dann beinahe das Wunder. Die Urus sind die einzige Mannschaft, bei der ich jemals gesehen habe, dass man einen Anstoß blocken kann. Reingegrätscht in den Wiederanstoß der Holländer und den Ball sofort erobert. Das war ein Moment, wo beim Public Viewing die Stimmung kippte und plötzlich Anfeuerungsrufe für die Urus durch die Arena halten.

    Was für Fußballer!

    Und, ach ja, die Urus haben die schönste Hymne aller FIFA Nationen (gleichauf mit Rußland).